März 30

Wieso ich?

Es war eisig. Mitte November saß ich auf der Straße. Mein Pulli hatte seine besten Zeiten schon hinter sich. Er war voll von Müll und sehr verdreckt. Meine kurze Hose und der Fakt, dass ich keine Jacke trug waren auch nicht gerade praktisch für diese Jahreszeit. Meine Hände waren schon längst taub von den vielen Wochen draußen. Ich hatte mich extra hinter einen Müllcontainer gesetzt, damit ich wenigstens etwas gegen den Wind geschützt war. In meinem Kopf versuchte ich mich an warme Zeiten zu erinnern. Das Lächeln meiner Mutter schoss mir in den Kopf. Die warme Umarmung meines Vaters. Dann verschwanden diese Bilder und ich sah nur noch eine zersplitterte Autoscheibe. Ich hörte einen Schrei und erschrocken öffnete ich meine Augen. Ich hatte wieder an diesen Unfall gedacht. Mir wurde schlagartig noch kälter. Ich begann zu zittern.

Am anderen Ende der Straße tummelten sich Leute. Die meisten von ihnen hatten den Blick für Obdachlose wie mich schon längst verloren. Es gab einfach zu viele in New York. Eine Frau lief vorbei. Im Vorbeigehen ließ sie eine Bananenschale in den Container neben mir fallen. Sie traf genau. Sie stutzte als sie mich sah.

Sie trug einen grünen engen Rock eine weiße Bluse und eine rote Lederjacke darüber. Es sah so aus, als wäre sie nur kurz aus ihrem Haus gegangen. Sie kniete sich vor mich: „Was machst du den hier draußen?“ Trotzig erwiderte ich: „Hier sitzen!“ Die Frau lachte: „Willst du mir vielleicht sagen wie du heißt? Mein Name ist überbringst Jessie.“ „Luna“ gab ich zurück. „Wie lange sitzt du schon hier draußen?“ „Vielleicht drei Jahre“ Jessie kuckte mich erschrocken an: „Hast du in dieser Zeit überhaupt schon mal geduscht oder etwas vernünftiges gegessen?“ Ich schüttelte den Kopf. Jessie stand auf. Sie streckte ihre Hand nach mir aus: „Komm Luna, ich nehm dich erst mal mit zu mir nach Hause. Dort kannst du dich ein bisschen aufwärmen und was essen.“ „Wo wohnst du denn?“ „Ich arbeite als Nanny und wohne deshalb bei den Kindern im großen Wolkenkratzer da.“ Sie zeigte mit dem Finger auf ein Hochhaus aus Glas gegenüber von meinem Müllcontainer.

Ich schnappte nach Luft. Ich konnte den Luxus schon riechen. Trotzdem zögerte ich. Was wenn das eine Falle war? Was wenn Jessie nichts gutes mit mir vorhatte? Andererseits war die Aussicht etwas zu essen und es warm zu haben viel besser als die Straße. Außerdem, ich hatte schon alles verloren. Was konnte mir schon mehr passieren? Ich nahm Jessies Hand. Sie zog mich hoch und geleitete mich mit einer Hand hinter meinem Rücken über die Straße. Sie öffnete mit einer Hand die Glastür und schob mich herein.

Ich hoffe euch hat das erste Kapitel meiner Jessie-Fanfiction gefallen. Den Rest könnt ihr auf meinem Wattpad-Kanal🥰